Ein Chanukkalicht im Sturm
- Ori Elon
Schim´on, einer der Anhänger von Menachem Mendel von Riminow, hatte eine Angewohnheit: Jedes Jahr, am Tag, an dem das erste Chanukkalicht angezündet wurde, nahm er einen Krug Öl und verließ sein Haus im Dorf. Es war ein besonders gutes Öl, das Schim´on für seinen Rabbi bereitete, damit dieser das erste Chanukkalicht entzünden konnte.
Einmal ging Schim´on wieder mit dem Krug Öl nach Riminow, wo der Rabbi wohnte. Der Weg führte durch einen dunklen Wald. Schim´on betrat den Wald und sang Chanukkalieder. Plötzlich brach ein Schneesturm los. Der kalte Wind schnitt Schim´on ins Gesicht. Schwerer Schnee fiel. Schim´on fand Zuflucht unter einem Baum und wartete, bis der Sturm nachließ. Aber der Sturm ließ nicht nach, sondern wurde noch stärker. Schim´on, der schon die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, beschloss, trotz des Sturmes nach Riminow zu gehen. Er wusste, er musste sich beeilen, um rechtzeitig zum Anzünden des Lichtes nach Riminow zu kommen.
Aber der Schnee bedeckte den Pfad und ein dichter Nebel legte sich über den verschneiten Wald.
Wohin sollte er sich wenden? Links? Rechts? Vorwärts? Zurück? So sehr Schim´on auch schaute, er sah den Weg nicht mehr. Er ging weiter und hoffte, die richtige Richtung eingeschlagen zu haben.
Schim´on versank bis zu den Knien im Schnee und zitterte vor Kälte. Aber er ging immer weiter. Jetzt sorgte Schim´on sich nicht mehr darum, ob er rechtzeitig zum Rabbi kam, sondern ob er überhaupt aus dem Wald und dem Sturm hinausfand. Die Dunkelheit senkte sich herab und Schim´on versank schon bis zu den Hüften im Schnee. "Jetzt, wo ich im Schneesturm erfriere", dachte Schim´on, "entzündet der Rabbi das erste Chanukkalicht."
Plötzlich fühlten seine Finger etwas Kleines in der Manteltasche. Es war eine vergessene Streichholzschachtel mit einem letzten Streichholz darin.
Da hatte Schim´on eine Idee: "Ich habe Öl und ein Streichholz. Wenn ich schon erfrieren muss, dann will ich wenigstens zum letzten Mal die Mizwa erfüllen und das Chanukkalicht entzünden."
Er riss ein Stückchen Stoff von seinem Mantel ab und drehte es zu einem Docht. Dann machte er eine kleine Grube im Schnee, goss Öl hinein und zündete es an. Obwohl der Sturm rundherum pfiff, brannte das Öl und erleuchtete den Wald. Lächelnd blickte der matte Schim´on auf sein Chanukkalicht und schlief ein. Im Traum sah er einen Mann mit einem weißen Bart, der wie der Kohen HaGadol angezogen war.
Der Mann sagte freundlich: "Schim´on, du hast mich erfreut, weil du das Chanukkalicht entzündet hast! Setz deinen Weg zum Rabbi fort und sag ihm einen schönen Gruß von mir."
"Wie heißt du?", fragte Schim´on den Mann.
"Matitjahu", antwortete der Mann und lächelte. Da erwachte Schim´on aus seinem Traum und sah, dass es aufgehört hatte zu schneien. Auch der Sturm hatte nachgelassen.
Schim´on blickte um sich, Plötzlich erhellte sich sein Gesicht vor Freude. Lichter! Da waren Lichter von Häusern! Chanukkalichter in den Fenstern der Stadt Riminow! Nur in einem Haus war noch kein Chanukkalicht entzündet. Es war das Haus des Rabbis. Da lief Schim´on so schnell er konnte auf das Haus zu, wo der Rabbi in der Tür stand und auf ihn wartete. Als der Rabbi Schim´on sah, umarmte er ihn und sagte: "Sie willkommen, Schim´on! Jetzt zünden wir das Chanukkalicht an!"
Quelle: Mibereshit